Ehrenamt? Ich bin bescheuert!

In den letzten Wochen habe ich mich manchmal Abends, wenn ich müde ins Bett gefallen bin gefragt, wo ICH eigentlich bleibe.
Es war so viel zu tun, sei es für meine Arbeit, für meine ehrenamtlichen Aktivitäten oder für meinen Hund, meinen Mann oder oder oder …
Dauernd kommt mir der Gedanke an einen ruhigen Saunatag im letzten Jahr in den Sinn. Ich sehe mich wieder eingewickelt in einen Bademantel und eine Kuscheldecke auf einer Ruheliege sitzen. Blick auf das riesige Glaspanorama und draussen tobt ein Herbststurm. Genau so war es im letzten Jahr einmal. Das hat mir so gut getan und noch heute tut es mir gut mich nur daran zu erinnern.

Neulich war ich auf dem Geburtstag meiner Stiefmutter. Mein Vater erzählte von einem abendlichen Termin und ich fragte:”machst Du das eigentlich ehrenamtlich?” Er:”Ich bin doch nicht bescheuert.” Ich dachte und sagte:”Ahja, danke!”
Ich mache eine ganze Menge ehrenamtlich. Das mache ich nämlich gerne und ich fühle mich dabei überhaupt nicht bescheuert. Der Staat baut auf Ehrenamtlern wird gesagt. Meine Meinung ist, solange man ein Ehrenamt gerne ausführt und es mir auch irgendwas zurück gibt ist alles ok. Ein Beispiel: Ich organisiere gemeinsam mit zwei anderen engagierten Frauen den Weihnachtsmarkt hier im Ort. Es gab jahrelang keinen Weihnachtsmarkt hier und wir haben uns durch Zufall bzw. durch Ortsteiltreffen zusammengefunden. Anfänglich wurden wir durch alte, negative Erzählungen ganz schön desillusioniert. Trotzdem blieben wir hartnäckig und hatten im letzten Jahr mit einem richtig tollen Markt Premiere. Dieses Jahr haben wir es dann wiederholt. Letzten Sonntag fand die Veranstaltung zum zweiten Mal statt und das Wetter meinte es nicht gut mit uns. Es ist bei weitem nicht nur der eine Tag, der stressig ist sondern schon im Sommer fangen wir an und entwerfen die ersten Pressemitteilungen, organisieren Treffen mit den Ausstellern, überlegen uns den Spendenzweck, der begünstigt werden soll, bleiben im Dialog mit Stromlieferanten, Budenlieferanten, der GEMA, potentiellen Spendern etc. Das ganze Jahr über hat man also immer mal hier und da was mit dem Thema zu tun. Gegen September wird es dann ernster. Es wird ein letztes Treffen mit allen Ausstellern geplant, alle können nochmal meckern, Kritik üben, Ideen einbringen. Wir bemühen uns dann im Anschluss, das Bühnenprogramm auszubauen, stecken Frust weg, wenn auf einmal Geld verlangt wird oder man hier und da unschöne Kritik hört, kümmern uns um Flyer und Plakate und das auch alles neben unseren Vollzeitjobs.
Dann naht das eigentliche Wochenende. Unsere kleinen Treffen werden hektischer, wir fragen uns: Haben wir was vergessen? Ist noch etwas zu bestellen? Reichen die Flyer? Wie wird das Wetter wohl? Dieses Jahr war das Wetter richtig mies. Den Aufbau der Buden haben wir noch bei einigermaßen humanem Wetter bewerkstelligen können. Es lag zwar Schnee und es war kalt aber es war trocken. Auch hier sind wir oft Mediatoren und versuchen Unmut und Ärger unter den Ausstellern abzufangen und im Keim zu ersticken. Wir sind Puffer wenn es darum geht, dass verglichen wird, wer mehr Zeit mit dem Aufbau verbringt, wer eventuell zuerst da war oder wer etwas hinterm Rücken des anderen erzählt haben soll. Und dann ist der eigentliche Tag da. Morgens wird emsig geschmückt und die Buden werden mit Waren bestückt. Hier und da kommt noch der Schrei nach einem Hammer, einem Streifen Tesa oder nach Kordel auf. Alles an der Frau ;) Wir bauen Zelte auf, dirigieren Autos hin und her und sehen zu, dass wir den Markt annähernd pünktlich eröffnen. Dann stehen wir auf der Bühne, eröffnen gemeinsam mit dem Bezirksvorsteher den Markt und – es ist einfach schön.
Nachmittags verteilt der Nikolaus geduldig gestiftete Tüten an über 100 Kinder. Die Kinder schämen sich, freuen sich, sich niedlich, frech und eben Kinder. Das wärmt mein Herz und ich stehe stolz auf der Bühne und reiche Knecht Ruprecht die Tüten an. Ja, ich bin jetzt total erkältet und diese Woche auch froh, dass es jetzt wieder ein Jahr dauert bis zum nächsten Mal.  Ja, ich bin bescheuert und ich bin stolz drauf denn es tut mir gut.

Fatja hat einen Jahresrückblick gebloggt, das hat mich nachdenken lassen über das vergangene Jahr. Einen kompletten Rückblick möchte ich nicht starten, da mich zu vieles traurig und wütend machen würde. Das Jahr war ein Arschloch. 2012 war kein Totalausfall aber ich bin wirklich froh, wenn ich es hinter mir habe. Es war nicht leichter und nicht schwerer als 2011 und doch hoffe ich, dass 2013 ein paar Herausforderungen und Überraschungen weniger für uns bereit hält und ich mal durchatmen kann. Wir haben wirklich viel geschafft und können stolz auf uns sein. Wir haben wieder zueinander gefunden und haben uns ineinander wieder gefunden. Meine lang vermisste innere Ruhe stellt sich wieder ein und mein kleiner ruhiger Brunnen endloser Kraft ist wieder zu Kurzbesuchen bereit und lässt mich auftanken wenn ich es brauche.
In diesem Jahr habe ich viel über mich und auch über andere Menschen gelernt, habe mich anderen Denkweisen geöffnet und mich selbst und meine Ansichten mehrfach kritisch auf die Probe gestellt.

Das reicht für heute und ich gehe jetzt erstmal innerlich in die Sauna, setze mich aufgeheizt, in Decken gehüllt auf eine Liege am Glaspanoramafenster und schaue in den Sturm. Ganz ruhig.

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